AD(H)S in Kombination mit einer Hochbegabung

                                         
AD(H)S und Hochbegabung im Doppelpack ist "doppelt schwierig" im Umgang und auch "doppelt schwierig" zu erkennen. Es gilt nicht Hochbegabung mit Talent zu verwechseln! Es gibt Menschen mit einer besonderen Begabung, mit 5 Jahren perfekt Klavier zu spielen oder Tennis Wunderkind, u.s.w.
Eine Hochbegabung liegt bei einem IQ von über 130 vor, wobei die Zahl alleine keine Aussagefähigkeit über die geistige Leistungsfähigkeit besitzt. Gerade bei AD(H)S- Kindern, die hochbegabt sind, bleibt dies meist unentdeckt, denn sie können ihre Fähigkeiten oftmals nicht zur Entfaltung bringen. Ihre schulischen Leistungen sind nicht selten nur mittelmäßige oder gar eher schlechte.

Einige Merkmale einer Hochbegabung in Kombination mit AD(H)S:

   * in ihrem Verhalten wirken sie jünger und emotionaler
   * sie brauchen oft lange für kleine Aufgaben oder bringen sie erst gar nicht zu Ende 
   * bei großem Interesse gehen sie in den Hyperfokus („versinken“) 
   * sie haben Schwierigkeiten, besonders bei Problemlösungen systematisch vorzugehen 
   * oft können sie Gruppenziele und Gruppendynamik nicht richtig verstehen 
   * nehmen äußere Signale im sozialen Kontext schlecht wahr 
   * sie scheinen nicht im Einklang zu sein mit ihrer emotionalen, sozialen und kognitiven Entwicklung 
   * oft sind sie zerstreut, schlampig oder überkorrekt. 
   * trotz Hochbegabung lernen sie das Lernen nicht (sie lernen oft gar nicht oder sie lernen alles auswendig)

Durch ihre Intelligenz können sie oftmals besonders gut und lange ihre Defizite kompensieren. Sie gelten lediglich als „zerstreuter Professor“ oder als „egozentrisch“. Liegt die AD(H)S-Symptomatik sehr im Vordergrund, heisst es leider für diese Kinder viel zu oft: Endstation Sonderschule. Wer schaut denn da schon hinter die Kulissen?

Ohne entsprechende Hilfe bzw. Therapie bleiben Kinder mir einer AD(H)S – auch die, die zusätzlich hochbegabt sind - in ihrer schulischen Entwicklung zu 90 % unter ihren intellektuellen Möglichkeiten.

Eltern kämpfen auch hier mit Äusserungen wie AD(H)S und Hochbegabung gibt es nicht, wer AD(H)S hat, ist entwicklungsverzögert, wie kann er dann hochbegabt sein? Manche meinen zynisch: oh ein hochbegabtes Kind? ... von wem hat er das denn? Oder seien Sie doch froh, so ein kluges Kind zu haben.

Bei einem IQ-Test, an dem 1000 Kinder mit einer AD(H)S und 1000 Nicht-Betroffenen gleichen Alters und vergleichbarer sozialer Herkunft teilnahmen, zeigte die Verteilungskurve, dass im Durchschnitt die Gruppe der AD(H)S- Betroffenen einen mindestens genau so hohen IQ vorweisen konnte. (Frölich / Biegert 2001)

Fazit an die Lehrer von Herrn Biegert (Leiter der HEBO-Privatschule in Bonn): Nicht die AD(H)S ist das Problem, sondern wie wir in den Regelschulen damit umgehen! (Quelle: BV-AH /2003)      

Zu dem Thema AD(H)S und Hochbegabung gibt es das gleichlautende Buch von Helga Simchen „Kinder und Jugendliche mit Hochbegabung“ – Erkennen, stärken, fördern, damit Begabung zum Erfolg führt (Kohlhammer Verlag)
Anschaulich verdeutlicht die Autorin, daß frühzeitige Diagnostik für eine gezielte Behandlung erforderlich ist, damit die Schullaufbahn und Lebensqualität nicht beeinträchtigt wird. Das Buch wendet sich an Eltern, Therapeuten und Lehrer.